Beziehungskrise wegen Coronavirus vermeiden - Tipps für Paare & Familien
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Das Coronavirus ist eine erschütternde Tragödie – in jeder Hinsicht. Weltweit fürchten sich die Menschen davor, selbst zu erkranken, Angehörige zu verlieren. Hinzu kommen Existenzängste und der Verlust der individuellen Freiheit. Umfangreiche Ausgangssperren, Schließungen von Schulen und Kindergärten sowie das Arbeiten im Home-Office sorgen dafür, dass die Nerven blank liegen. Krisen innerhalb der Beziehung und in der Familie sind da vorprogrammiert. Wir haben uns Gedanken gemacht, wie man eine Beziehungskrise wegen Coronavirus verhindern kann und welche Möglichkeiten bestehen, wenn der Corona-Koller dennoch eintritt.

Hinweis: Für Deutschland, Österreich und die Schweiz haben wir hier Informationen rund um die Telefonseelsorge und weitere kostenlose Beratungsangebote der Seelsorge zur Verfügung gestellt. Dort finden Sie auch Telefonnummern wie Elterntelefon, Kinder- und Jugendtelefon.

Ausnahmesituation Coronavirus schlägt auf´s Gemüt

Man braucht weder Psychologe, Virologe oder sonstiger Experte zu sein, um zu wissen, dass die Coronakrise einem auf´s Gemüt schlägt. Die einen sind davon überzeugt “alles Panikmache”, die anderen sind genervt von Kontaktverboten und freiheitseinschränkenden Maßnahmen, die nächsten trauern sozialen und kulturellen Veranstaltungen hinterher, die momentan nicht stattfinden und dann gibt es noch die Gruppe, für die die Angst vor dem Coronavirus zunehmend unerträglicher wird. Wie viele Menschen überlegen jetzt bei dem kleinsten Kratzen im Hals, bei jedem Husten und bei jedem Niesen, ob das ein Indiz auf eine Covid-19 Erkrankung sein könnte. Und kaum jemand ist nicht in irgendeiner Form von Existenzängsten geplagt.

Krisenzeiten – eine Herausforderung für Paare & Familien

Ganz gleich, welche dieser Sorgen überwiegt oder welche Sorgen sich vereinen, ist einfach klar, dass die meisten Menschen sich einer Ausnahmesituation ausgesetzt fühlen und bei vielen die Nerven dünner sind, als unter normalen Umständen. Für Partner und Familien, die jetzt mehr denn je aufeinanderhocken, reicht da vielleicht ein kleines missverstandenes Wort, ein falsch empfundener Blick oder auch mal eine patzige Antwort, damit der Haussegen schief hängt und ein Streit ausbricht. Aus dem Weg gehen kann man sich kaum. Beim Sport, im Gym oder auf dem Spielplatz sich ordentlich auszutoben und angestaute Emotionen abzubauen, ist ebenfalls unter den derzeitigen Umständen kaum möglich. Was können Paare und Familien tun, um eine Beziehungskrise wegen Coronavirus zu verhindern?

Ständiges Aufeinanderhocken – Konflikte vorprogrammiert

Selbst in der harmonischsten Paarbeziehung und in der glücklichsten Familie sind Konflikte vorprogrammiert, wenn man sich gegenseitig zu sehr auf der Pelle hängt, es nur wenig Möglichkeiten gibt, sich aus dem Weg zu gehen und für Abstand zu sorgen.

Zusammenleben meistern durch mehr Freiräume und Toleranz

Derzeit sorgen zwar die staatlich angeordneten Maßnahmen zur Eindämmung und Verlangsamung der Coronavirus Epidemie für sozialen Abstand – aber nicht innerhalb von Beziehungen und Familien. Wohnt man gemeinsam in Wohnung oder Haus unter demselben Dach, ist es sinnvoll, gewisse Freiräume zu schaffen und sich gleichzeitig auch gemeinsam darüber Gedanken zu machen, wie man in dieser Krise miteinander umgeht.

Es ist jetzt nicht die Zeit, …

  • zu streiten.
  • jedes Wort auf die Goldwaage zu legen.
  • sich gegenseitig Vorwürfe zu machen.
  • die Fehler des/der anderen zu kritisieren.
  • jetzt über die Macken des Partners oder der Partnerin zu diskutieren.
  • sich an Kleinigkeiten aufzureiben.

Das ist leichter gesagt, als getan. Statt zu streiten und den Dingen ihren Lauf zu lassen, sollten jetzt Erwachsene, aber auch Eltern und Kinder miteinander reden. Ab einem gewissen Alter ist das möglich.

Miteinander reden statt ignorieren & blockieren

Im Zeitalter von WhatsApp ist das direkte Reden miteinander ein wenig verloren gegangen. Was bei WhatsApp problemlos möglich ist (Nachrichten ignorieren, sich gegenseitig blockieren schnell unglücklich formulierte Nachrichten löschen, bevor der andere sie liest), funktioniert im realen Zusammensein nicht.

  • Gefallene Worte lassen sich nicht löschen.
  • Auseinandersetzungen kann man nicht aus dem Weg gehen.
  • Gegenseitiges ignorieren und blockieren ist nicht möglich.
  • Zumindest in der aktuellen Lage.

Ein ehrliches Gespräch, indem man einräumt “Ja, das nervt mich gerade.” – das ist eine gute Grundlage, gemeinsam nach einer Lösung zu suchen und diese auch zu finden. “Wenn ich was Blödes sage – nimm es mir nicht krumm!” – Auch das trägt der Entschärfung von Konflikten bei und kann einen großen Streit vermeiden. “Entschuldigung, ich habe mich eben blöde verhalten!

Die eigene Einstellung hinterfragen

Was jetzt helfen kann: Die eigene Einstellung zu hinterfragen und sich damit anzufreunden, Fünfe auch mal gerade sein zu lassen. Wie gut man mit dieser Ansammlung von Belastungen umgeht, hängt nicht nur von den Menschen ab, mit denen wir in der Coronakrise “aufeinanderhocken”, sondern auch von der eigenen Einstellung.

  • Lässt sich ein Weg finden, sich über nervende Dinge in diesem Ausnahmezustand nicht aufzuregen?
  • Kann man über die Macke der Partnerin oder über bestimmte Marotten des Partners hinwegsehen, anstatt sich darüber zu ärgern?
  • Ist es wirklich notwendig, dass das Kind jetzt sein Zimmer aufräumt?
  • Wenn man sich wirklich über etwas ärgert – muss man sofort seinem Ärger Luft machen und es auf Streit und eine Beziehungskrise wegen Coronavirus und den damit verbundenen Umständen ankommen lassen?

Oftmals hilft es, die innere Einstellung in eine andere Richtung zu lenken, um dem Ärger den Wind aus den Segeln zu nehmen. Das täte nicht nur in Krisenzeiten gut.

Zusammensetzen & auseinandersetzen – gemeinsame Regeln treffen

Im Gespräch miteinander sollten die Punkte an- und besprochen werden, die zu Konflikten innerhalb der Partnerschaft bzw. innerhalb des Familienalltags führen können. Selbst in Zeiten vom Coronavirus sind es oft klassische Streitpunkte, die den häuslichen Frieden torpedieren:

  • offene Zahnpastatube am Waschbecken
  • zu wenig Hilfe im Haushalt
  • Diskussionen, wer die Spülmaschine einräumt
  • Zoff ums TV-Programm
  • lautes Musikhören
  • Unordnung im Kinderzimmer
  • Streit unter Geschwistern
  • Langeweile bei Kindern

Mehr Akzeptanz für die Macken des anderen – weniger Zündstoff für Beziehungskrise & Familienstreit

Ein Gutes gibt es: in der partnerschaftlichen Beziehung und in der Familie kennt jeder die Macken des anderen. Alle können dazu beitragen, einer Beziehungskrise wegen Coronavirus vorzubeugen, indem

  • man rücksichtsvoll miteinander umgeht.
  • alle zusammen ein Regelwerk erstellen.
  • über die Macken der/des anderen hinwegschaut.
  • für bekannte “Trigger” Lösungen schafft.
  • Mit gutem Willen lassen sich Lösungen finden.

Sei es, dass das Kind Papas heißbeliebten Kopfhöher bekommt, damit die laute Musik nicht den ganzen Tag nervt. Oder, dass täglich ein Familienmitglied den Aufräumdienst übernimmt und ohne Diskussionen alle Zahnpastatuben wegräumt.

Vielleicht können Mamas und Papas in dieser Ausnahmesituation auch mal darüber hinwegsehen, dass es im Kinderzimmer nicht so aufgeräumt ist, wie es sonst der Fall ist. Und wenn die gesamte Familie täglich eine halbe Stunde gemeinsam aufräumt und sauber macht, bleibt noch genug Zeit für alle, sich angenehmeren Beschäftigungen zuzuwenden.

Kleine Auszeiten nehmen und gewähren

Wer gerade seine Ruhe braucht, kann das sagen und sollte die Möglichkeit haben, sich für eine Weile zurückzuziehen. In der Familie mit kleinen Kindern ist das nicht immer einfach. Schon gar nicht bei Alleinerziehenden. Es ist keine Schande, den Partner, die Partnerin oder ein größeres Kind darum zu bitten, auf die “Kleine” oder den “Kleinen” aufzupassen, wenn einem der Kopf gerade überquillt oder man sich erschöpft fühlt.

Ein entspanntes Bad nehmen, ein gutes Buch lesen oder das Telefonat mit einer guten Freundin, dem Bruder, der Mutter – das sind Maßnahmen, die beim “Abschalten” und “Runterkommen” helfen.

“Ich brauche Pause!” – ansagen und akzeptieren

Viele Mütter und Väter – aber auch Teenager – kennen es: man gönnt sich gerade eine Auszeit, schon klopft jemand an die Tür und will etwas. “Kind, aufräumen!”, “Mama, ich hab Hunger, wann gibt es was zu essen?”, “Schatz, weißt du wo die Briefumschläge sind?” – Wer sich eine Auszeit nehmen will, kann und sollte Partner, Partnerin, Kinder, Mama oder Papa darüber informieren und darum bitten, dass eins, zwei Stunden “Funkstille” ist, weil man jetzt gerade etwas Ruhe und Erholung braucht.

Ob Mann und Frau oder Vater, Mutter und Kind – jeder sollte in der schwierigen Zeit eigene Bedürfnisse, Sorgen und Nöte äußern dürfen – nicht nur während der Coronakrise, aber ganz besonders jetzt!

Zunehmende Gewalt gegen Frauen, Kinder & Männer?

Das dürfte zu befürchten sein. Denn umso länger Schulen, Kitas, Geschäfte und Freizeitmöglichkeiten geschlossen und Kontaktverbote aufrecht erhalten bleiben, desto größer wird die Gefahr, das Zuhause Situationen eskalieren können.

Gewaltrisiko oder Gewalterfahrung: Beratungsangebote wahrnehmen

Meist sind von häuslicher Gewalt Frauen und Kinder betroffen, aber es kann auch Männer betreffen. Als Betroffene oder Betroffener ist es schwierig, sich in der momentanen Lage Hilfe von außen zu holen, wenn man Tag und Nacht mit dem Aggressor in der Wohnung verbringt. Frauenhäuser und Beratungsstellen bieten neben telefonischer Beratung in Ausnahmesituationen persönliche Beratung per E-Mail oder Chat an. Für Männer stehen diese Beratungsangebote ebenfalls zur Verfügung.

Akute Hilfe: Telefonseelsorge & andere Beratungsstellen

Googeln Sie nach einem Frauenhaus bzw. Männerhaus in Ihrer Stadt bzw. Region. Eine erste Anlaufstelle ist auch die Telefonseelsorge – nicht nur bei Gewalt, sondern auch, wenn Sie mit der seelischen Belastung der häuslichen Isolierung nicht mehr klar kommen. Beachten Sie, dass aufgrund der erdrückenden Situation die Telefonleitungen stark genutzt werden und es zu längeren Wartezeiten kommt.

Die Deutschland erreichen Sie unter der Nummer 0800/111 0 111 oder 0800/111 0 222

Zuhause eingesperrt – höheres Gewaltrisiko für Kinder

Noch viel schwieriger ist es in dieser Zeit für Kinder, Hilfe zu erfahren. Denn aufgrund von Schul- und Kita-Schließungen sowie stark eingeschränkten Kontakten zur Außenwelt ist niemand da, der mitbekommt, wenn es einem Kind nicht gut geht. Es bleibt nur der Appell an Nachbarn, aufmerksam zu sein, aber nicht die Gelegenheit zu missbrauchen, unliebsame Nachbarn zu denunzieren. Besteht der Eindruck, dass in der Nachbarschaft ein Kind in Gefahr ist, kann das Gespräch mit einem Elternteil die Situation vielleicht aufklären oder entschärfen. Besteht wirklich (!) ein begründeter Verdacht, dass ein Kind misshandelt oder missbraucht wird, bleibt eventuell nur der Weg, die Behörden einzuschalten.

Beziehungskrise wegen Coronavirus

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